Die Mozartkugel und das Vorschulkind

Gestern war Elternabend im KiBiZ (Kinderbildungszentrum) für die Vorschulgruppe.
Da mein Sohn Luca nächstes Jahr in die Schule kommt war ich eingeladen.

Ich war gespannt was vorgetragen wird und lies mich einfach ohne Erwartungen auf dem kleinen Sesselchen nieder. Es lagen schon die vorbereiteten Unterlagen zum Einlesen auf dem Sesselchen und ein leeres kleines Blatt Papier* mit Schreiber.

Der Abend begann gleich nach der Begrüßung mit einer kleinen Geschichte. Die Geschichte hatte den Inhalt, das die Kinder in der Schule einfach etwas malen sollten. Der kleine Junge war begeistert und malte gleich drauf los. Die Lehrerin stoppte ihn und sagte: Nein, nein, nein!! So geht das nicht. Wart ich zeige dir was du zu malen hast. Sie zeichnete eine rote Blume mit einem grünen Stengel. Und der kleine Junge zerknüllte seine Zeichnungen und malte ebenso eine rote Blume mit einem grünen Stengel.
2 Wochen später hatte er wieder malen in der Schule. Es kam eine andere Lehrerin und sie legte einfach ein leeres Blatt Papier auf seine Schulbank und sagte kein Wort. Der kleine Junge saß da und wartete. Nach einiger Zeit kam die Lehrerin und sagte zu ihm: Warum malst du nicht? Er antwortete: Sie haben noch nichts gesagt, was ich zu malen habe?
Mich berührte diese Geschichte, denn wie oft werden wir in unserer Kreativität gestoppt, weil jemand von außen uns sagt was wir zu tun hätten. Und wenn wir dann dürfen, erlauben wir uns es nicht.

Aber das ist eigentlich nicht die Geschichte die ich euch heute erzählen will.

Eine Pädagogin erzählte uns dann, wie so alles ablaufen wird. Sie teilte auf einmal allen eine Mozartkugel aus und sagte: Beissen sie einfach mal die Hälfte ab und schauen sich die Mozartkugel an.
Ok ich machte mit, da ich Mozartkugeln liebe. Ich war gespannt was kommt.

Sie erklärte uns dann anhand der Mozartkugel wie die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder (ich sage, das kann man auch auf uns Erwachsene übertragen) so ablaufen wird.

Der Kern – das Nougat: hier befinden wir uns in der Komfortzone. Hier fühlen wir uns sicher. Lernen aber nichts dazu. Wir schwimmen so herum, nicht Fisch und nicht Fleisch. Sind zwar nicht happy, aber wir wissen wie es so abläuft.

Die mittlere Schicht – das Marizpan: hier befinden wir uns im MutLand. Hier lernen wir dazu. Wir erleben Neues. Wir machen Erfahrungen. Wir spüren, wie das richtige Leben sich so anfühlt. Wir sind stolz, wenn wir etwas gemeistert haben und etwas Neues in unser Leben kreiert haben. Wir sind neugierig. Wir probieren uns aus. Wir entwickeln uns weiter.

Die Hülle – der Schokoguss: Die Verführung. Wenn wir hier ankommen, ist Überforderung pur!! Wir haben uns zu weit hinausgelehnt. Wir wissen nicht mehr wo oben und unten ist. Wir sind einen Schritt zu weit gegangen. Es ist wie das feststecken. Wir sind blockiert, weil einfach zu viel da ist. Und wenn das passiert, dann ziehen wir uns wieder in unsere Komfortzone zurück. Stagnation!! Wir erstarren und sind wieder dort wo wir zwar alles kennen, aber es auch nicht aufregend ist.

Warum erzähl ich das?
Ich will damit sichtbar machen, wie leicht und schnell wir uns verführen lassen. Wie groß die Verlockung ist. Und wie achtsam wir mit uns umgehen dürfen, das wir nicht still stehen und das wir uns auch nicht überfordern.

Ich fand es toll, wie sie uns das für unsere Kinder erklären wollte. Wie sehr wir auf unsere Kinder achten sollen, damit sie einen „happy“ Schulstart haben.

Ich übertrage diese Geschichte auf uns Erwachsene. Dies trifft für uns genauso zu. Wenn wir nicht achtsam mit uns sind, dann können wir leicht kippen. In die Überforderung oder in „nicht leben“.

Bring dir die Achtsamkeit entgegen, die du brauchst, um ein glückliches, erfülltes Leben zu haben.

*Am kleinen Blatt Papier bekamen wir die Aufgabe, etwas zu schreiben, welche Erwartungen wir an den Kindergarten haben für das Vorschulgruppenjahr. Mein Blatt blieb lange leer. Ich habe keine Erwartungen. Da kann ich doch nur enttäuscht werden. Oder?
Viele schrieben das sie sich wünschen, dass die Kinder still sitzen lernen sollen, dass ihnen Ordnung gelernt werden sollte, dass sie folgsam werden, das ihnen Respekt gelernt wird, das sie sich auf eine Sache konzentrieren gelernt werden soll uvm.
Mich zog es innerlich zusammen. Dachte, mir tun jetzt die Kinder schon leid.
Ich schrieb auf mein Blatt: Spaß und Freude an der Sache!!

Ich war richtig froh, dass beim Vorlesen mir jemand zugestimmt hatte. Irgendwie wurde ich auch traurig. Das von allen Eltern die da waren (23) nur 2 Eltern Spaß und Freude den Kindern gewünscht haben.

Hey Leute, was braucht es, das wir für unser Leben und für das Leben unserer Kinder uns einfach Spaß wünschen !!!

 

 

 

Ein Kommentar zu “Die Mozartkugel und das Vorschulkind

  1. Liebe Sonja, das ist eine sehr treffende Geschichte mit der Mozartkugel. Leider werden unsere Kinder nach Vorgaben gewisser Absichten Anderer geformt. Ich wünsche mir noch mehr Lehrer wie diese offene Frau! Durch Deine Arbeit erinnerst Du uns zurück wie offen, neugierig, interessant und freudvoll Leben sein kann!
    Danke dafür! HerzLichte Grüße Birgit Schumann

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